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"You can buy things but you can´t buy class". Oder auf gut Deutsch: Was bringen die tollsten Anschaffungen, wenn man sie nicht zu kombinieren weiß? Man stelle sich nur einmal folgendes Szenario vor. Ein Bekannter lädt zum Abendessen ein. Er öffnet die Tür und trägt einen schwarzen Maßanzug mit braunen Schuhen. Im Wohnzimmer steht ein eleganter Esstisch, umzingelt von abgewetzten Gartenstühlen. Kerzenschein taucht den Raum in ockerfarbenes Licht. Und aus den edlen Boxen dröhnt der neueste Aprés-Ski-Alpen-Techno-Mix. Natürlich ist dieses Gedankenspiel völlig überzogen und eine Kleinigkeit, wie etwa die Wahl des falschen Weinglases, würde dem geladenen Dinner-Gast wohl kaum die Nase rümpfen lassen. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und zu einem perfekten Abend gehört eben auch das passende Glas zum richtigen Wein.

 

Allgemeines

Grundsätzlich gilt: Ein ordentliches Weinglas ist nicht allzu dickwändig und sollte auf ausreichend breitem Fuße stehen, damit ein sicheres Abstellen möglich ist. Der Stiel sollte beim Trinken gut anzufassen, also weder zu kurz noch zu dick, sein. Beim Kelch ist drauf zu achten, dass er genügend Wein fasst, selbst wenn er nur zu einem Drittel (bei Rotweinen) bzw. halb gefüllt (bei Weißweinen) ist. Das Trinkgefäß sollte unbedingt aus Klarglas bestehen, um die Farbe des Weines zur Geltung zu bringen. Das Kredenzen eines guten Weines im Tonbecher ist ein No-Go. Jener rustikale Charme bleibt Landweinen beim Picknick oder Honigwein auf dem Mittelaltermarkt vorbehalten.

 

Weißweingläser

Charakteristisch für Weißweingläser sind die schlanke Form und der schmale Kelch. Sollen sie junge, säurebetonte Weine, wie etwa trockenen und halbtrockenen Riesling, trockenen Kerner oder trockenen Scheurebe, hervorheben, ist der obere Glasrand ein wenig nach außen gestülpt. So lüpft der „Säurespoiler" den Wein direkt in die Mitte der Zungenspitze, wodurch Süße und Frische besonders zur Geltung kommen und der Wein weniger sauer schmeckt. Sind die Gläser für voluminösere Tropfen, wie Spätlesen mit betonter Restsüße der Sorten Riesling, Kerner, Müller-Thurgau, Ruländer, Ortega, Siegerrebe oder Silvaner, ausgelegt, ist die Erscheinung eher tulpenförmig. Auf diese Weise gelangt der Wein eher auf die Zungenseiten, wodurch säureärmere Tropfen an Frische gewinnen.

 

Rotweingläser

Rotweingläser können ebenfalls in Tulpenform gefertigt sein und sehen für den Laien auf den ersten Blick aus wie der große Bruder des zuletzt genannten Weißweinglases. Aus ihnen wird tanninstarker Rotwein genossen. Dazu zählen unter anderen Bordeaux, internationale Cabernet Sauvignons, Rioja und Chianti. Für tanninarme Rotweine, wie beispielsweise Brunello, Barbaresco, Barolo, Pinot Noir, Burgunder oder Tempranillo, sollte hingegen zu einem besonders bauchigen Glas mit weiter Öffnung und gegebenenfalls nach außen gestülpten Rand gegriffen werden. Jener fungiert auch beim Rotwein als „Säurespoiler".

 

Sektgläser

Sektgläser sollten wie eine schlanke und hochgezogene Variante eines Weißweingleises aussehen. Doch Obacht: Ist die Flöte zu schlank, fehlt dem Wein der nötige Platz zur Entfaltung. Üppige Sektschalen wiederum erweisen sich als wahre Kohlensäure-Killer. Wer großen Wert auf ein besonders feines Perlen (Mousseux) legt, sollte darauf achten, dass am Grund des Glases ein kleiner, rauer Punkt eingraviert ist.

 

Alles glasklar? Na dann: Prosit!

Sind je nach eigener Vorliebe erst einmal die passenden Gläser gefunden, steht einem gelungenen Abend, samt perfekter Mahlzeit, eigentlich nichts mehr im Wege. Vorausgesetzt der schwarze Anzug wird nicht doch mit den braunen Schuhen kombiniert.

 

Autor: Hendrik Jürgens

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