In fast jedem Supermarkt findet man heute eine mehr oder weniger große Auswahl an Bio-Produkten. Die Zeiten in denen ökologisch erzeugte Produkte nur in kleinen Naturkostläden angeboten wurden sind längst vorbei.
Bio-Supermärkte sprießen in größeren Städten wie Pilze aus dem Boden. Wer Bio-Produkte kauft, gehört heute nicht mehr zu der Gruppe alternativer Konsumverweigerer oder Umweltaktivisten. Bio-Käufer sind Menschen mit Sinn für Genuss, Gesundheit und Lebensart, die sich für die Herkunft der Lebensmittel interessieren. Auch wenn Bio-Produkte geschmacklich nicht zwangsläufig von konventionell produzierten Produkten zu unterscheiden sind, unterscheidet sich die Arbeitsweise der Landwirte doch deutlich.
Der Landwirt mit seiner ökologischen Wirtschaftsweise
- schont die Ressourcen Wasser, Boden, Luft und Energie
- strebt eine Kreislaufwirtschaft mit geschlossenem Nährstoffzyklus
(geschlossener Betriebskreislauf) an
- trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Pflanzen-
und Tierreich bei
dabei verzichtet er auf
- chemische und synthetische Pflanzenschutzmittel (Pestizide)
- mineralischen Stickstoffdünger
- gentechnisch verändertes Saatgut oder Futtermittel und mittels Gentechnik hergestellte Pflanzenschutzmittel
In der betrieblichen Praxis bedeutet das, dass Pflanzenbau und Tierhaltung in der Regel gekoppelt sind. Gartenbaubetriebe, die z. B. Tomaten und Salat anbauen, kommen meist ohne Tierhaltung aus. Das Futtermittel kommt überwiegend vom eigenen Hof. Dafür liefern die Tiere Mist, der als Dünger zusammen mit Kompost auf den Feldern ausgebracht wird. Bei der Sortenwahl wählt der Biobauer bei Pflanzen und Tieren robuste und wenig anfällige Sorten. Durch eine lange Fruchtfolge auf den Feldern wird Monokultur und somit die Auslaugung des Bodens verhindert. Die Bodenqualität bleibt erhalten. Unkraut in Maßen wird akzeptiert, um Nützlingen einen Lebensraum zu schaffen. Sind mehr Nützlinge als Insekten und Vögel vorhanden, werden Schädlinge in Schach gehalten. Felder von Biobauern weisen eine höhere Artenvielfalt auf. Der Boden wird auf schonende Art und Weise bearbeitet. Ca. 30 % der Anbaufläche wird in der Fruchtfolge für Leguminosen eingeplant. Leguminosen sind Pflanzen, die in ihren Wurzeln kleine Stickstoffpakete bilden und so auf natürliche Weise den Boden düngen.
Für die Tierproduktion bedeutet „ökologisch“ oder „bio“
- die Tiere haben mit Stroh eingestreute Ställe und ein Auslauf steht zur Verfügung
- die Tierzahl steht im Verhältnis zur Ackerfläche (max. 2 Großvieheinheiten pro Hektar)
- Tiere dürfen nicht verstümmelt werden (z. B. Schnabelstutzen, Zähneabschleifen, Kupieren von Ohren und Schwänzen)
- Tiere haben freien Zugang zu Futter- und Wasserstellen
- Tiere sind nicht ganzjährig angebunden
- Tiere sind nicht auf Extremleistung gezüchtet (Beispiel: die Milchleistung von Bio-Kühen ist geringer als die von Milchkühen)
Die Tiere finden also eine für ihre Art angepasste Umgebung vor, die ihrem Wohlbefinden dient. Kühe haben Auslauf auf der Weide, Hühner können picken, Schweine haben Platz zum Suhlen in Matsch oder Sand. Dadurch sind die Tiere ausgeglichener, robuster, stressresistenter und weniger anfällig für Krankheiten. Außerdem stammt das Tierfutter überwiegend aus dem eigenen Betrieb und es werden keine Fleisch-, Knochen- und Tierkörpermehle verfüttert. Auch werden keine Leistungsförderer oder Fütterungsantibiotika eingesetzt und die Wartezeit nach der unvermeidbaren Behandlung mit Medikamenten bei Krankheit ist doppelt so lang wie in der konventionellen Produktion. Zur ökologischen Fischproduktion gibt es nach EU-Recht übrigens bisher noch keine Regelungen.
Der ökologische Landbau bedeutet für den Landwirt mehr Arbeitsaufwand bei höherem Risiko, weil bei einem Krankheitsbefall ganze Ernten vernichtet werden können. Doch durch den nachhaltigen Umgang mit der Natur erhalten Bio-Bauern unsere Landschaft und die natürlichen Ressourcen. Sie gewährleisten die hohe Qualität des Trinkwassers, das nicht durch Medikamenten- und Pflanzenschutzmittelrückständen verseucht ist und aufwändig wiederaufbereitet werden muss.
Bei Bio-Produkten aus dem (meist weit entfernten) Ausland muss man sich fragen, ob der Nutzen für die Umwelt auf Grund des weiten Transports noch gegeben ist. Deshalb gilt auch bei Bio-Produkten das Gleiche wie bei konventionellen Lebensmitteln: Obst und Gemüse am besten der Jahreszeit entsprechend kaufen und möglichst aus der eigenen Region. Mittlerweile gibt es viele Lieferanten, die saisonale Produkte vom Single- bis zum Familiensortiment bestellbar über das Internet bis zur Haustür liefern, z.B.: Bring mir Bio, Amorebio oder Biobiene-shop24.
Bearbeitung durch Dipl. oec. troph. (FH) Frau Rebecca Ginser auf Grundlage der CD-Rom „Ökologischer Landbau“ des AID-Infodienstes www.aid.de.