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Die Küche ist der Bereich in der Wohnung, in der Maße und Höhen, sowie Empfehlungen anderer zumeist die größte Rolle spielen. Denn die Küche ist nach wie vor ein Arbeitsplatz, an dem vor allem Frauen im Durchschnitt mindestens zwei Stunden täglich beschäftigt sind. Doch selten ist dieser Arbeitsplatz so geplant, dass alles sinnvoll organisiert ist und auf die wirklichen Abläufe abgestimmt ist. Mit der richtigen Planung kann man dagegen nicht nur Rücken und Gelenke schonen, sondern auch Zeit und Platz sparen. Das Zauberwort heißt hier "Ergonomie" – die sinnvolle und die Gesundheit schonende Gestaltung des Arbeitsplatzes Küche.

Küchenforschung schon im
19. Jahrhundert. In der Frühzeit der Haushaltsforschung haben sich naturgemäß vor allem Frauen selbst um die Ergonomie in der Küche gekümmert - Pionierinnen der Hauswirtschaftsforschung. Ihre Ideen waren inspiriert vom Boom der Industrialisierung und der Idee, dass Bewegungsabläufe rationalisiert werden können.
Catherine Beecher, Schwester der Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe, nahm 1869 die durchgeplanten Küchen auf Schiffen als Vorbild für eine sinnvolle Anordnung in der Haushaltsküche. Sie ordnete die Küchenbereiche bestimmten Arbeitsschritten zu und forderte als erste, die Küche ergonomisch durchzuorganisieren.
Eine weitere Vorreiterin der Haushaltsergonomie war Christine Frederick, sie erstellt zwischen 1915 und 1922 eine genaue Analyse der Arbeitsschritte in der Küche. Auch sie orientierte sich an den Profi-Küchen in den Speisewagen der Eisenbahn: Die logistische Herausforderung, 100 Essen am Tag in einer Küchenkoje von wenigen Quadratmetern zuzubereiten, faszinierte sie. Dazu wandte sie betriebswirtschaftliche Kriterien auf die Küchenarbeit an.
Legendär ist Fredericks Fadenstudie, mit der sie maß, wie viele Meter eine Hausfrau pro Tag zurücklegen muss. Sie band dazu einer Probandin einen Faden an den Fuß, der sich nach und nach abrollte und an dem sie ablesen konnte, welche Distanz die Frau am Tag zurücklegte. Es ergab sich ein Gitternetz, das kreuz und quer durch den Raum führte. Nachdem Frederick die Möbel nach Arbeitseinheiten umgestellt hatte, war das Muster viel einfacher. Frederick stellte dafür eine Anordnung nach Arbeitszonen her, so gruppierte sie Geschirrschränke zur Spüle und die Vorräte zum Herd.

Fredericks Prinzipien der modernen Haushaltsführung, 1922 ins Deutsche übersetzt, wurden zu einem Standardwerk für Architekten - auch für eine junge Wienerin, die in den 20er Jahren einen Großauftrag für Arbeitersiedlungen bekommen hatte und auf engem Raum Küchen planen musste. Margarete Schütte-Lihotzky entwarf die berühmte Frankfurter Küche für den sozialen Wohnungsbau der Zeit. In diesen kleinen, funktionalen Werkstatt-Küchen war alles auf engstem Raum sinnvoll angeordnet. Sie wurden zum Vorbild der modernen Einbauküche.
Autorin: Kristina Grote
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